Unterstützung von Waisenkindern

Das karge, entbehrungsreiche Leben in Tibet mit seinen harten, schneereichen Wintern und den durch Erosion gefährdeten Strassen fordern jedes Jahr unzählige Menschenleben. Durch Lawinen, Erdrutsche, Autounfälle und Krankheiten verlieren viele Kinder einen oder beide Elternteile und werden zu Halbwaisen oder Waisen.

Wenn diese Kinder keine Verwandten haben, die es sich leisten können, sich um sie zu kümmern, schlagen sie sich oft mit Betteln durch. In jedem Fall ist es für Waisenkinder kaum möglich eine Schule zu besuchen, was ihnen fast jegliche Chancen auf eine bessere Zukunft nimmt.

ROKPA hat für diese Härtefälle einen Fonds gegründet, aus dem hauptsächlich Waisenkinder unterstützt werden. Dadurch sind Lebensunterhalt und Ausbildung dieser Kinder gesichert, womit sie die Chance auf eine eigenständige, menschenwürdige Zukunft bekommen.

Waisenkind mit Betreuerin
Ein Waisenkind mit ihrer "neuen Mutter" (ebenfalls ein Waisenkind).

In allen ROKPA-Waisenhäusern kümmert sich immer ein älteres um ein jüngeres Kind. Das heisst, dass dieses Kind die Mutter- oder Vaterrolle einnimmt, dafür sorgt, dass das Kleine am Morgen die Zähne putzt, ihm die Haare wäscht, sieht, dass es genügend isst und es bei Krankheiten pflegt und mit ihm Schulaufgaben macht. Das ist eine wunderbare Einrichtung und funktioniert, denn alle Jugendlichen wissen, wie das ist, elternlos zu sein und in eine fremde Umgebung zu kommen. So sieht man 17-, 18-jährige, die ein Kleines auf dem Schoss halten - Jungens wie Mädchen - und liebevoll ihr Haar kämmen und sie trösten, wenn sie traurig sind.

Lea Wyler: Schicksale, denen wir immer wieder begegnen
Das kleine Mädchen Dolma Tsering hat vor drei Tagen ihre Mutter verloren. Nun stand sie da, mitten im fremden Klassenzimmer in Labrang, in der Provinz Gansu in Tibet. Mutig und tränenüberströmt, mit einer etwas verkrumpelten nicht mehr ganz weissen Glücksschärpe in den ausgestreckten Händen als Gabe und gleichzeitig als Bitte an Akong Rinpoche, sie in unsere ROKPA Schule aufzunehmen. Der Vater starb als sie noch ganz klein war. Sie lebte danach mit ihrer Mutter, dem kleinen Bruder und der Grossmutter in einer kleinen Kammer. Die Mutter war Bauarbeiterin und hievte grosse Steine aus dem Flussbett - zum Bau bestimmt. Vor drei Tagen kam sie ums Leben, als ein Lastwagen beim Fluss kippte. Sie war die einzige Ernährerin der Familie. Die Grossmutter sagt ausdruckslos: "Die Nachbarn brachten Essen für die Trauerzeit. Danach werden wir hungern." Sie ist alt und gebrechlich.

Das Mädchen hat das Leben noch vor sich. Nun geht sie zur ROKPA-Schule. Für die Grossmutter und den kleinen Bruder wird ebenfalls gesorgt.

Dolma Tsering

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